"The Rest is Noise" von Alex Ross

In diesem rund 700-seitigen Werk „The Rest is Noise“ von Alex Ross mit dem Untertitel „Das 20. Jahrhundert hören“ geht es genau darum – nämlich um die Musik des 20. Jahrhunderts – also grob um die Moderne bis Post-Moderne. Allerdings nicht wie einige Leser vielleicht vermuten würden um die popkulturelle Entwicklung in diesem Jahrhundert sondern eher um die „klassische“ Musik. Im Sprachgebrauch der GEMA würde man diese Musik wohl als die sogennante E-Musik („ernste Musik“) bezeichnen. Wobei Alex Ross nicht vor Genre-Grenzen halt macht und auch u.a. über Entwicklungen von und im Jazz des 20. Jahrhunderts schreibt.

"The Rest is Noise" von Alex Ross
„The Rest is Noise“ von Alex Ross

Die Geschichte beginnt in Graz mit der Aufführung der Straussschen Oper „Salome“, die recht wegweisende atonale Elemente enthält. Zu dieser Uraufführung war neben Arnold Schönberg und weiteren Musikern der späteren zweiten Wiener Schule angeblich auch Adolf Hitler zugegen, was jedoch ein nicht einwandfrei belegter historischer Fakt ist. Ausgehend von Strauss und Mahler, die Atonalität und 12-Ton-Musik der zweiten Wiener Schule, wird die Geschichte der Moderne bis hin in die Post-Moderne erzählt. Wichtige Marken sind natürlich auch die Musik Strawinskys, die „goldenen 20er“, die Musik während der NS-Zeit, die Avantgarde der Nachkriegszeit, die Darmstädter Schule, Minimal Music und vieles mehr ….

In dem Buch „The Rest is Noise“ wird immer wieder in den Anmerkungen auf Hörproben verwiesen, die man auf der Seite des Autors nachhören kann. Dadurch ist es nicht ganz so trocken, über Musik zu lesen anstatt diese zu hören. Wen wie mich der historische Kontext von Musik interessiert, die Theorie dahinter [die natürlich nur ganz oberflächlich beschrieben werden kann – alles andere würde den Rahmen dieses Buches absolut sprengen] und wie zur Hölle die Komponisten darauf kamen, diese Werke zu erschaffen, für den wird dieses Werk durchaus interessant zu lesen sein. Aufgrund der schon beachtlichen Seitenanzahl hat man auch längere Zeit etwas von dieser Lektüre. Für alle Leute, die ein musikwissenschaftliches oder -historisches Interesse hegen und/oder die einfach ihren Horizont erweitern wollen, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Das Werk bekommt man für wenig Geld beim Bücherdealer seines Vertrauens.