Effortless Mastery
Kenny Werner, Photo by Bruno Bollaert unter Creative Commons BY NC ND 2.0 Lizenz
Kenny Werner, Photo by Bruno Bollaert unter Creative Commons BY NC ND 2.0 Lizenz

Kenny Werner (WikiPedia) ist ein amerikanischer Pianist. Jazz-Pianist. Ich bin eigentlich gar nicht so der Jazz-Head, aber seine Musik gefällt mir mittlerweile eigentlich ganz gut. Also wenn ich Lust auf Jazz-Gedudel mit entweder Solo-Klavier oder dem üblichen Trio aus Klavier, Bass und Schlagzeug habe. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, denn Kenny Werner hat ein Buch mit dem Titel Effortless Mastery geschrieben, welches ich mir für teures Geld und auf englischer Sprache (weil es von diesem Buch nach wie vor keine deutsche Übersetzung gibt) bei einem bekannten Versandhändler bestellt habe. Aber was tut man nicht alles, wenn man ohne jede Anstrengung Meisterschaft auf dem Instrument seiner Wahl erlangen will? Das verspricht mir zumindest der Titel …

Effortless Mastery
Effortless Mastery

Insgesamt lässt sich das Buch für jemanden, der in der englischen Sprache leider nicht ganz so fit ist (eben nur so „Internet-fit“), wie ich es leider bin, ganz gut lesen. Es wird allgemein recht viel „Story-telling“ betrieben, d.h. Herr Werner erzählt aus dem Nähkästchen wie das so bei ihm war mit dem Klavierspielen, dass er als Kind/Jugendlicher eher der faule Typ war usw. … kann man lesen, jedoch wenn es einem primär um Fortschritte im Klavierspiel oder generell dem Beherrschen des Instruments (es muss ja nicht immer das Piano sein) geht, dann nervt das vielleicht etwas. In dem Buch beschreibt er vier Übungen, die man auch auf der beiliegenden CD nochmal „nachhören“ kann.

Übungen zur „effortless mastery“

Es geht im Prinzip bei allen aufeinander aufbauenden Übungen darum, seine Erwartungen und sein Ego abzuschalten wenn man am Instrument sitzt. Kenny Werner bietet da zum Einstimmen eine geführte Meditation an (aus dem Grund die CD) die man in seine Klavierstunde einbauen und anschließend verschiedene Übungen machen kann. Es geht im Endeffekt darum, völlig frei auf dem Instrument spielen zu können ohne mit der eigenen Erwartungshaltung sich selbst dabei im Weg zu stehen. Das mag sich jetzt für den einen oder anderen esoterisch anhören, allerdings kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass das Spielen eines Stückes, das Programmieren oder auch verschiedene sportliche Aktivitäten am besten gelingen, wenn man keinen „inneren Dialog“ mit sich selbst führt, kein internes „Blabla“ läuft sondern man stattdessen diesen flow Zustand erreicht hat. Darum geht es. Spielen im flow. Lernen im flow.

Wie gesagt hat das nichts mit Esoterik zu tun. Der amerikanische Neurologe Gary Weber beschreibt ebenfalls in einigen seiner Talks, dass ohne das innere „Blablabla“ vieles leichter geht. Interessanter weise haben beispielsweise gerade Personen, die unter ADHS leiden, damit Probleme, was auch über einen PET-Scan des Gehirns veranschaulicht werden kann. Dabei sitzt das „Blabla“ im limbischen System – für hochkomplexe Aktivitäten in den Händen und Fingern, wie das Klavierspiel es nun mal ist, wird jedoch Rechenleistung in bestimmten Bereichen des Cortex benötigt … aber ich schweife ab ….

Letztendlich habe ich eine Übung aus Effortless Mastery übernommen die ich recht häufig in meinen Übungsplan einbaue. Ich fand diese Ausbeute aus dem Buch eigentlich soweit in Ordnung. Allerdings ist es zur Meisterschaft des Klavierspielens dennoch ein weiter Weg. Was ich vom Preis-/Leistungsverhältnis nicht in Ordnung fand, ist die DVD zum Buch. Der Mehrwert dadurch ist absolut marginal und nicht der Rede wert. Man sieht lediglich die Übungen von Kenny ausgeführt. Daneben erzählt er noch Stories, die man genauso in dem Buch nachlesen kann. Also eher ein Reinfall.

Es kommt natürlich immer darauf an, wie weit man persönlich mit dem Spielen ist und wo man „feststeckt“ – aus dem gleichen Informationsangebot können unterschiedliche Personen einen unterschiedlichen Wert herausziehen. Aber was ich zumindest jedem Hobby- und Freizeit-Pianisten nahelegen kann, ist, sich die „Masterclasses“ auf YouTube von Kenny Werner anzusehen. Die findet man hier

und eine andere hier:

Falls danach noch Bedarf an weiterem Wissen von Kenny Werner besteht, kann man sich zweifellos das Buch kaufen. Ja, doch, ich glaube genau so solltet ihr es machen. Und dabei bitte meinen Amazon-Link verwenden. Danke. 😉