Kawai MP 11 Stage Piano

Das Kawai MP-11 ist jetzt nicht gerade neu erschienen, allerdings befindet sich ein Exemplar des MP-11 erst seit nicht allzu langer Zeit in meinem Besitz und so komme ich erst jetzt dazu, ein „Review“ dazu zu verfassen. Dieses Stage Piano reiht sich bei mir in eine etwas längere Historie ein, die mit dem Yamaha P-85 begann, über das Roland FP-7 und das Clavia Nord Piano reichte und nun bei eben dem MP-11 aus dem Hause Kawai angelangt ist.

MP-11 Stage Piano im Vergleich – Klaviatur und Gewicht

Kawai MP 11 Stage Piano
Kawai MP 11 Stage Piano

Wenn die ersten beiden Vertreter der eben genannten Auflistung noch eher durch Preis und Funktionsumfang sich unterschieden ist nun der finale Umstieg vom Nord auf das Kawai in erster Linie der Klaviatur geschuldet. Okay, das Nord Piano verursachte beim Anschluss via USB und der standardisierten unsymmetrischen Verkabelung mit Mono-Klinksteckern auch gewisse Störgeräusche, die ich jetzt dank symmetrischer XLR Anschlüsse am MP-11 nicht mehr habe. Aber zurück zu den Tasten: Die fallen beim Kawai in Echtholz mit schön griffigem Elfenbeinimitat aus. Dazu kommt die original Flügelmechanik, die dem MP-11 auch eine ausladende Tiefe verschafft im Vergleich zu den gängen Alternativen der Konkurrenz. Das mag für den Transport nicht so ideal sein, aber immerhin kann man so auf dem Gehäuse viel Krempel abstellen (müssen ja nicht immer Getränke sein 😉 ). Was den Transport anbelangt so wird es in meinem Fall wahrscheinlich sowieso erst beim nächsten Umzug bewegt werden, denn das Gewicht beläuft sich auf ~32 kg – ohne Case und Ständer – und ist damit für mich schon indiskutabel. Okay, manche Tastendrücker bewegen ebenso ihr Fender Rhodes oder Wurlitzer A-200 – verglichen damit ist das Kawai MP-11 natürlich eher noch ein Leichtgewicht.

Bedienoberfläche und Usability beim Kawai MP-11

Die Knöpfe und Drehregler fallen auf der Bedienoberfläche als ziemlich griffig aus. Die Bedienelemente sind ebenfalls alle schön übersichtlich angeordnet. Ich glaube ich hatte nur einmal kurz im Handbuch nachgeschlagen, wie das ist mit der Recording-Funktion. Diese beinhaltet nämlich sowohl die Möglichkeit, Tasten und Bedienelemente (= mehrspurige MIDI-Daten) aufzuzeichnen als auch das eingespielte direkt als WAV- oder MP3-Datei auf einen eingesteckten USB-Stick zu speichern. Meiner Meinung nach manchmal echt praktisch, da ich es immer mehr mag, Dinge unabhängig vom Computer zu tun. Mit dem, im Vergleich zu Clavias Nord Keyboards, recht großen Display kann man im Kawai sehr schnell und ohne sich großartig in unübersichtlichen Sub-Menüs zu verirren, zum Ziel kommen. Also wenn ich hier Punkte vergeben würde dann würde Kawai in der Usability-Kategorie auf jeden Fall volle Punktzahl bekommen!

Vergleichbare Stage Pianos der Konkurrenz

Kawai MP-11 Digital Piano
Kawai MP-11 Digital Piano

Wenn wir schon dabei sind nicht vorhandene Punkte zu verteilen:
Kawai würde in der Kategorie „Klaviatur“ von mir ebenfalls volle Punktzahl bekommen. Ich saß schon einmal an einem echten Kawai RX Flügel und das Spielgefühl lässt sich nahezu 1:1 mit des digitalen Bruders vergleichen. Hierbei sei aber erwähnt, dass die aktuellen Flaggschiffe von Yamaha (CP1 und CP4) ebenfalls eine sehr gute Tastatur besitzen. Allerdings hat mich im Vergleich zum MP-11 der Sound/Funktionsumfang nicht so überzeugt (Yamaha CP4) bzw. der Preis war einfach zu exorbitant teuer (Yamaha CP1). Ansonsten produziert Yamaha natürlich auch sehr geile Geräte. 😉

Das Roland RD-800 hat ebenso eine sehr gute Tastatur, aber der Sound geht auf Dauer mal gar nicht. Entweder der komische Steinway-Flügel klingt zu stumpf und abgelutscht oder, besonders wenn man dann doch mal etwas fester in die Tasten greift, er klingt viel zu spitz und beißend. Diese HiFi-Flügelklänge mag ich ja mal absolut nicht.
Ach, und dann saß ich übrigens auf der Musikmesse in Frankfurt auch mal an irgendeinem Physis Piano des Herstellers Viscount. Das physical modelling Konzept hat mich vom Sound her genauso wenig überzeugt wie die Klaviatur dieses Geräts. Wobei letztere war eigentlich okay.

Sollte ich das Kawai MP-11 noch mit weiteren Stage Pianos vergleichen? Also zwei Vergleiche könnte ich noch aus dem Ärmel schütteln: Das Korg SV-1 macht mit seinem Vintage Design recht viel her. Der Sound des Klaviers ist auch gut, allerdings bei der Klaviatur bekomme ich schon bei den Aufwärmübungen eine Sehnenscheidenentzündung. Des Weiteren lässt der Funktionsumfang auch zu wünschen übrig. Genau das gleiche in verschärfter Form gilt übrigens auch für den Waldorf Zarenbourg, den ich mir gerne geschenkt ins Wohnzimmer stellen würde, aber beim regelmäßigem Spiel auf diesem Gerät wäre mir der Tennisarm wohl sicher …

Fazit zum Kawai MP-11

Das Spielgefühl auf dem Gerät ist sagenhaft. Wenn man den Kawai-Sound „ab kann“, dann steht einem eine kleine aber feine Auswahl an Piano-Sounds zur Verfügung. Auch noch ein paar weitere Sounds sind an Bord. Nicht besonders viele, aber die die vorhanden sind sind qualitativ sehr sehr hochwertig. Genauso auch das verbaute Reverb und die sonstigen Effekte. Alles sehr hochwertig. Im Vergleich zum Nord Piano hat man nun auch ein Delay zur Verfügung, was ich manchmal beim Rumschrauben am Nord vermisst hatte.

Summa summarum kann ich dieses Stage Piano nur wärmstens Empfehlen! Herbert Grönemeyer spielt übrigens auch auf einem MP-11. 😉 Bestellen kann man dieses schöne Gerät bei Thomann oder im nächsten lokalen Musikgeschäft (falls es dort nicht vorrätig sein sollte).