Hauschka & Greg Hunt am präparierten Klavier, Photo von Incase unter CC BY 2.0 Lizenz

Der Pianist Hauschka ist meiner Ansicht nach einer der sehr interessanten zeitgenössischen Pianisten – denn  er tritt nicht als Interpret barocker und klassischer Werke in Erscheinung sondern komponiert moderne Stücke am präparierten Klavier. Für Leser denen der Begriff des „präparierten Klaviers“ nichts sagt:

Hauschka & Greg Hunt am präparierten Klavier
Hauschka & Greg Hunt am präparierten Klavier, Photo von Incase unter CC BY 2.0 Lizenz

Dabei handelt es sich um ein Klavier oder einen Flügel, in dessen Klangkörper, auf den Saiten und/oder auf die Hämmer jede Menge Unrat angebracht wurde. Durch Schrauben, Klammern, Nägel, Filz, Schellen etc. wird aus dem tonalen Instrument auch schon mal ein perkussives. Dabei müssen natürlich nicht alle Oktaven des Klaviers von der Modifikation betroffen sein sondern es können auch nur ausgewählte Tasten oder Tonbereiche sein.

Zurück geht diese Tradition auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der die Avantgardisten nach neuen Klangmöglichkeiten suchten. Schließlich führte John Cage um 1940 das präparierte Klavier ein. Aber im direkten Vergleich zwischen der Musik Hauschkas und John Cages fällt direkt auf: Die Musik von Hauschka lässt sich nicht nur von eingefleischten Fans der Klangexperimente hören. Sie ist stark strukturiert, bisweilen im 4/4-Takt komponiert und nutzt Dur- und Moll-Akkorde. Meiner Meinung nach sind die Klangwelten von Hauschka aber nicht minder spannend. Anscheinend teilen diese Ansicht die Verantwortlichen der Techno-Show „Boiler Room“ aus Berlin und so findet man ebenfalls einen Boiler Room mit Hauschka, den man sich hier auf YouTube ansehen kann:

Übrigens sieht man schön, wie Hauschka seine Klanggebäude anhand von live eingespielter Loops „zusammenbaut“. Natürlich kommen die Piano-Klänge dann auch noch durch Mischpult und Effekt-Sektion, aber das was ich daran eben faszinierend finde, ist, dass das Ganze mehr oder weniger „live“ funktioniert. Ein ähnliches Konzept jedoch mit einer ganz anderen Musik (nämlich Rockabilly) macht ein französischer Musiker mit Gitarre, Orgel und Schlagzeug unter dem Namen King Automatic. Allerdings ist das wirklich was völlig anderes ….